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Martiniritt

Die Geschichte des Miltacher Martinirittes

  

Martiniritt - ein Höhepunkt im Kirchenjahr

 

Patrozinium zu Ehren des heiligen Martin

Trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen hat der Martiniritt aus Anlass des Pfarrpatroziniums noch eine herausragende Bedeutung im örtlichen Jahresablaufes. Zum „Kirta“ in Miltach werden daher am 8. November auch wieder viele Festbesucher erwartet. Als gemeinsame Veranstalter der Feierlichkeit treten die Pfarrgemeinde und die politische Gemeinde auf. Deshalb bitten Pfarrer Dekan Sperl und Bürgermeister Aumeier um zahlreiche Teilnahme der Bürger.

 

Gänsebraten und Kirta-Gebäck
Für viele ist der Martiniritt ein Eckpfeiler der dörflichen Tradition. Ein festlich gestalteter Gottesdienst, der herkömmliche Umritt, Kirchweihgäste und vielleicht ein Besuch im Gasthaus prägen den Tag. Nicht zu vergessen sind die leiblichen Genüsse: Gänsebraten und typisches Miltacher Kirta-Gebäck–Küchl und Striezl. An Gottesdienst und Fußprozession nehmen wieder die Ortsvereine mit ihren Fahnen teil, um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Die Anlieger des Prozessionsweges werden um Häuserschmuck gebeten.

 

Martiniritt „von einst“
Eine fundierte Forschung über die Entstehung des Miltacher Martinirittes betrieb Karl B. Krämer, Heimatpfleger für den vormaligen Landkreis Kötzting. Die Ergebnisse veröffentlichte er 1970 in einem Sonderheft „Der Bayerwald“. Demnach war es um 1920 noch üblich, dass sich der Ortsgeistliche hoch zu Ross am Umritt beteiligte. Zur Haltung des levitierten Hochamtes wurden Pfarrerkollegen aus der Nachbarschaft geladen. Die abschließende Ansprache am Kirchenplatz und die Verleihung von Auszeichnungen an Jubelreiter nahm der örtlichen Priester ebenfalls vom Pferd aus vor. 1923 kamen drei Teilnehmer zur Ehrung.


Karl B. Krämer zitiert in seinem Beitrag den bekannten Brauchtumsforscher Dr. Georg Schierghofer, der 1913 einen sehr lebendig geschriebenen Artikel über den Ablauf in der Zeitschrift „Der Heimgarten“ veröffentlichte: „Die Reiter an der Spitze der Fußprozession hatten sich in Trab gesetzt, um rasch in den Friedhof zu gelangen und innerhalb dessen enger Ummauerung die Kirche langsam zu umreiten. Da in dem einzigen, für die Pferde passierbaren Zugang sich Ein- und Ausreitende begegnen, dauert der Umritt um das Gotteshaus seine geraume Zeit und man muss dennoch fertig sein, bis die Schulbuben von der Straße her kommend, laut schreiend beziehungsweise betend, nachkommen“.

 

Im Kriegsjahr 1916
Interessant ist der Bericht von Expositus Holzgartner zum Ablauf im Jahr 1916. In ihm wird deutlich, wie sich die Ereignisse des Ersten Weltkrieges auch auf das dörfliche Fest auswirkten: „Schon lange konnte man kein Schmalz mehr bekommen, weil alle Ökonomietreibenden dieses für die Kirchweih aufsparten, um einige Küchel backen zu können. Aber die Bäckerei Alt bekam einige Tage vor Martini noch Mehl, sodass es Knödelbrot gab, nachdem wir seit 14 Tagen wegen Stockung der Mehllieferungen keine Semmeln mehr erhielten“.


Zum Geschehen des 11. Novembers schreibt der Ortsgeistliche weiter: „Im 9 Uhr Gottesdienst hielt Stadtpfarrer Heigl aus Furth i. Wald, ein gebürtiger Oberndorfer, die Festpredigt. Dem Amt wohnten drei Vereine bei (Feuerwehr, Veteranen und Josefiverein) bei.

 

Rückblende auf „Kriegsmartini“
An der Prozession beteiligten sich 22 Reiter, darunter auch einige aus Kötzting, die schon 30 Jahre kommen. Nach dem Kreuzträger hoch zu Ross kamen zwei Reiter, die je eine kleine rote Kirchenfahne trugen. Die Pferde waren alle mit Blumen (Papierröserl) geschmückt, die in die Mähne und in den Schweif eingeflochten waren. Der Hut der Männer war mit einem Wacholderzweig geziert. Vier Buben trugen im Abstand zu den Reitern die Martinsstatue mit, dahinter kam die Schuljugend, meistens Mädchen, da die Burschen im Krieg waren.


Vor der Feuerwehr trugen vier Mädchen die Statue der Muttergottes, nach den Vereinen kam der Priester mit dem Allerheiligsten und anschließend die Frauen. Der Weg der Prozession führte über das Bahngleis Richtung Höhenried zur Wiese. Hier wurde das Johannes-Evangelium gesungen, während die Pferde auf der Straße unten standen, mit dem Kopf zum Allerheiligsten gewendet. Te Deum und Segen schlossen den Umritt. Böllerschießen und Musik fehlten heuer - es war Kriegsmartini!“

 

(Text: Erwin Vogl, Miltach)

 

Martiniritt

 

Bilder vom Martiniritt aus dem Jahr 2011

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