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Friedhof
Der lange Weg zur Anlage des neuen Friedhofes
Zuerst stand kein geeignetes Grundstück zur Verfügung und dann fehlte das Geld
von Erwin Vogl
Friedhöfe sind nicht bloß eine Ansammlung von Grabsteinen die an Verstorbene erinnern sondern in ihrer Gesamtheit sind sie ein Kulturgut unserer Heimat. In früheren Jahrhunderten zog sich die als Gottesacker bezeichnete Fläche in der Regel um die örtliche Pfarrkirche. So war es auch in Miltach bis zum Jahr 1950, als der Friedhof in der Nähe von Oberndorf entstand. Er war somit einer der ersten im ehemaligen Landkreis Kötzting, der „ausgesiedelt“ wurde. Es werden demnach 75 Jahre, als am 22. Oktober 1950 eine Bäuerin aus Höhenried darin beerdigt wurde.
Die ersten Bemühungen zur Anlage eines neuen Friedhofes gehen nach einem Sitzungsprotokoll auf das Jahr 1922 zurück. Am 27. Februar 1927 kam es zu einer Versammlung im Gasthaus Wieser, zu der sich 64 Expositurangehörige einfanden. Dabei diskutierten sie über drei mögliche Standorte: Anlage in Nähe der Maria-Hilf-Kapelle, südlich der sog. „Neuen Schule (jetzt Pankratz, Wagner und Postfernmeldegebäude am Reiterweg) oder rechts der Straße Miltach – Oberndorf (die Bundesstraße gab es noch nicht). Einige Wochen später forderte das Bezirksamt Kötzting dazu auf, „dass auf jedem der in Betracht kommenden Grundstücke fünf Probelöcher mit je 2,70 Meter Tiefe auszuheben sind“.
In einem Schreiben vom 17. November 1927 stellte das Bezirksamt fest, das sich die Anlage des neuen Friedhofes am besten an der Straße Miltach – Oberndorf eignen würde. Als Gründe nannte die Behörde die Bodenbeschaffenheit ohne nachteiliges Grundwasser und die entsprechende Größe. Den Platz bei der Kapelle beurteilte sie sehr negativ, ebenso das Areal hinter der „Neuen Schule“. Hier bestehe schon eine Bebauung und die Bahnlinie sei auch nicht genügend weit entfernt, „was für einen Friedhof störend wirkt“. Schon im Januar 1928 beschließt die Kirchenverwaltung, die notwendige Fläche, bestehend aus sechs kleinen Grundstücken, von drei verschiedenen Besitzern zu erwerben.
Sepultiergemeinde Miltach
Am 27. Juli 1928 stellte die „Sepultiergemeinde Miltach“ (Verein für Bestattungswesen) beim Staatsministerium des Innern einen Zuschussantrag zum Neubau. Die Antwort war ablehnend. Da sich die Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern hinzogen und keine Ergebnisse brachten, mahnte das Bezirksamt im Oktober 1928 erneut: „Da die Felder nun abgeräumt sind und die Geländeaufmessungen durchgeführt werden können, wolle berichtet werden, welcher Platz zur Anlage des Friedhofes nach den neuerlich geführten Verhandlungen in Aussicht genommen ist“.
Selbst das Bischöfliche Ordinariat Regensburg stellte einen Zuschuss in Höhe von 1 000 Reichsmark in Aussicht. In einem Protokoll vom 10. März 1929 sind die Ereignisse wiedergeben, die das Vorhaben vorerst scheitern ließen. Wörtlich steht darin: „Wegen fortgesetzter Angriffe von Seiten der Bürger, die bis zur persönlichen Gehässigkeiten gegen die Kirchenverwaltungsmitglieder gehen, lehnt sie den Friedhofsneubau ab und überlässt den Bau der politischen Gemeinde Miltach“. Unterzeichnet ist das Protokoll von Expositus Augustin Bielmeier (1924 – 1929) und den Mitgliedern der Kirchenverwaltung Früchtl, Vogl, Schmidbauer, Dietl und Nazet. Nun hatte sich die Kommune mit dem leidigen Problem zu beschäftigen, denn sie war und ist auch heute noch für das örtliche Bestattungswesen zuständig und verantwortlich. Im November 1930 stellte das Bezirksamt Kötzting fest, „dass es sich bei der Neuanlage um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde handelt, die unter Umständen von Aufsichtswegen erzwungen werden kann“.
Nichts geht voran
Inzwischen kam mit Korbinian Zeitler (1929 – 1934) ein neuer Expositus nach Miltach. Er schilderte die unbefriedigende Situation am 24. März 1931 so: „Bezüglich des geeigneten Platzes wäre der idealste der um die Kirche. Für Miltach kommt ein solcher jedoch nie in Frage. Das Bezirksamt hält den zwischen Miltach und Oberndorf am passendsten. Daran habe ich ebenfalls gedacht und würde die Kirchenverwaltung dem in keiner Weise Widerstand entgegensetzen, falls keine unüberwindlichen Hindernisse auftauchen.“ Als Nachteilig betrachtete der Ortsgeistliche die Hochwassergefahr, die Enge und Unübersichtlichkeit des Weges beim Sägewerk Dattler (die Hauptstraße von Straubing nach Kötzting verlief damals noch durch die Perlbachstraße) sowie die notwendige Verlängerung der Wasserleitung, die nur bis zum Wohnhaus Dattler führte.
Im Dezember 1932 will der Gemeinderat die Verpflichtung zur Neuanlage eines Friedhofes wieder an die Kirchenverwaltung abgeben. Nach einem Bericht des Bezirksbaumeisters Josef Windisch vom 23. Januar 1935 ist der Straßenbau Chamerau – Miltach nunmehr fertiggestellt und ist daher nicht mehr zu befürchten, dass der geplante Friedhof durch die Linienführung der neuen Straße beeinträchtigt oder durch Hochwasser nicht erreicht werden könnte, da die Straße nach Oberndorf hochwasserfrei liegt. Aber anscheinend war die Grundstücksfrage noch nicht geregelt, da Amtsverweser Lutz aus Kötzting ersucht, „die Verhandlungen baldmöglichst anher zu berichten“. Danach kam der Krieg.
Neue Situation nach 1945
Am 3. November 1946 schreibt die Kirchenverwaltung an die Gemeinde, dass die Zahl der Seelen durch Evakuierte und Heimatvertriebene um rund 40 Prozent gestiegen ist und bat die Gemeinde, einen Gemeindegrund abzutreten, um das notwendige Grundstücke bei Oberndorf dann auf dem Tauschweg zu erhalten. Am 22. Mai 1948 fasste Pfarrer Georg Bauer (1946 – 1950) in einem Schreiben an die Regierung von Niederbayern das leidige Thema Friedhofsbau zusammen: „Über 25 Jahre ziehen sich die Bemühungen der Kirchenverwaltung hin, einen neuen Friedhof zu errichten. Verschiedene Projekte wurden erwogen und immer wieder fallen gelassen. Die Neuanlage eines Friedhofes war schon längst eine dringliche Notwendigkeit geworden aus gesundheitlichen Gründen und Gründen der Pietät. In den letzten 25 Jahren sind nachweislich aus benachbarten Häusern des bestehenden Friedhofes 14 Personen an Tuberkulose gestorben, nämlich aus dem Anwesen Zistler 1, aus den Anwesen Nemmer und Brunner je drei und aus dem Anwesen Greisinger sogar sieben.
Der alte Friedhof bietet keine Möglichkeit mehr für neue Gräber. Im April 1945 wurden an der Bundesstraße, damals „Ostmarkstraße“, auf dem schon seit 20 Jahren in Vorschlag gebrachten Platze, die durch Fliegerbeschuss gefallenen 16 Soldaten beerdigt. Inzwischen mussten auf diesem Notfriedhof elf weitere Personen beerdigt werden. Da alle gütlichen Versuche, Grundstücke zu bekommen fehlschlugen, sieht sich die Kirchenverwaltung gezwungen, die Regierung zu ersuchen, von Amtswegen die Neuanlage eines Friedhofes anzuordnen.
Die Bestrebungen zur Anlage eines neuen Friedhofes gehen auf das Jahr 1922 zurück. Der Friedhof rund um die Kirche wurde zu klein und die Bodenbeschaffung war wegen des vorhandenem hohen Grundwasser äußerst ungünstig. Die Leichen konnten auf lange Zeit nicht verwesen. Als im April 1945 bei einem Tieffliegerangriff auf den Bahnhof in einem Lazarettzug 16 Soldaten starben wurden sie bei Oberndorf auf freiem Feld bestattet. Weitere Tote, hauptsächlich von Flüchtlingen, sind in den folgenden Jahren notgedrungen gleich daneben in dem provisorisch angelegten Friedhof beerdigt worden. Im Oktober 1950 war der daraus entstandene „Neue Friedhof“ endlich fertig.
Am 2. November 1948 berichtete die Gemeinde an das Landratsamt Kötzting: „Um ein letztmögliches friedliches Ergebnis über den Grundstückserwerb zu erreichen, fand am 28. Oktober 1948 eine Versammlung der Bürgermeister der zur Kirchenverwaltung (Kirchensprengel) gehörenden Gemeinden und des Gemeinderates Miltach statt, wozu auch der Grundstückseigentümer Ludwig Hosbach, Landwirt, Nr. 70, geladen wurde. Ein Übereinkommen über den Kauf des Grundstückes konnte nicht erzielt werden.“
Pfarrer Georg Bauer, dem die Sache sehr am Herzen lag, wandte sich im Dezember 1948 erneut an das Landratsamt: „Zum Pfarrsprengel Miltach gehören Angehörige von fünf politischen Gemeinden. Um Kompetenzstreitigkeiten dieser Gemeinden, Miltach, Kreuzbach, Eismannsberg, Oberndorf und Zandt, zu vermeiden, wird die Neuanlage des Friedhofes von der Kirchenstiftung Miltach übernommen. Im Mai 1949 bezeichnete Sachbearbeiter R. Lumpe vom Landratsamt „die Neuanlage des Friedhofes in Miltach als das brennendste Problem des Landkreises Kötzting!“
Untragbare Verhältnisse
Am 9. Mai 1949 schilderte der Ortspfarrer erneut die dramatischen und Verhältnisse. „Die Zustände im alten Friedhof um die Kirche sind untragbar. Der Grundwasserstand lässt die Leichen nach 15 und mehr Jahren erst verwesen. 1947 fanden wir hier den Sarg eines 1922 (!) Beerdigten noch im Wasser vor. In den Familiengrabstätten liegen zwei bis vier Tote oft übereinander. Die Maurer und Steinmetze müssen beim Grabsteinsetzen oft ihre Arbeit unterbrechen, weil sie bei den aufsteigenden Gerüchen einfach nicht mehr weiter arbeiten können. Die Pietät gegenüber unseren Toten erfordert, dass man ihnen eine würdevolle Ruhestätte bereitet“.
Endlich konnte von einem Erfolg berichtigt werden. Es gab nämlich vier Wochen vorher im Landratsamt eine Sitzung mit Vertretern der Kirchenverwaltung und des Grundeigentümers Hosbach, bei der es zu einer gütlichen Einigung über die Abtretung des Flurstückes kam. Nun beginnen die Schwierigkeiten einer erfolgversprechenden Finanzierung der Maßnahme. Die Liga Spar- und Kreditgenossenschaft Regensburg gewährte ein Darlehen in Höhe von 6000 Mark. Im November 1949 berichtet Bauunternehmer Paul Vogl, Oberndorf, dass durch die Landwirte erst ¼ des Bedarfes an Schotter (37 Fuhren) angefahren wurden. Nach einem Kostenvoranschlag von Erich Lehmann, Gartenbau, aus Abensberg würden die Ziersträucher bei Verwendung von größeren Pflanzen 2311 Mark kosten. Nach einem Änderungswunsch des Bauherrn zur Verwendung von kleineren Sträuchern waren nur 1600 Mark angesetzt.
Viel Grün durch Bäume und Sträucher
Nach der Anordnung des Landratsamt durften ab dem 20. Juni 1950 keine Beerdigungen auf dem alten Friedhof, der sich um die Ortskirche zog, vorgenommen werden. Dies war das Ende für den „Alten Friedhof“, in dem die Miltacher über Jahrhunderte ihre Toten bestatteten. Eine Besonderheit bestand darin, dass Pfarrangehörigen ihre Kleinstkinder immer an einer Stelle an der Nordseite der Kirche begruben.
Kritik an der Pflege
Der neue Friedhof, bepflanzt mit Lindenbäumen, rosa blühenden Zierbäumchen und langen Sträucherreihen hatte viel Ähnlichkeit mit einem Waldfriedhof. Als erste Verstorbene in der fertiggestellten Anlage fand am 22. Oktober 1950 die Bäuerin Anna Heigl ihre letzte Ruhestätte. Dazu ist anzumerken, dass zwischen 1945 und 1950 verschiedentlich schon Pfarrangehörige in Oberndorf beerdigt wurden, und zwar nicht nur Heimatvertriebene, sondern auch Einheimische, für die im alten Friedhof einfach keine Grabstelle mehr frei war.
Jedoch schon am 22. August 1951 übte das Landratsamt mit einem Schreiben an die Gemeinde harsche Kritik am Zustand der neu geschaffenen Anlage: „Der heutige Besuch des so schön angelegten Friedhofes hat leider ersehen lassen, dass er keine Pflege genießt. Er ist verunkrautet und die Wege verwachsen. Zur Beseitigung des Missstandes könnten ohne weiteres Fürsorgeempfänger eingesetzt werden. Ich darf darauf verweisen, dass ein Vorbild von Pflege, Ordnung und Sauberkeit eines Friedhofes die Anlage in Zenching ist. Das Gleiche muss der Gemeinde Miltach möglich sein!“. 1952 erfolgte die Umbettung einer Toten aus dem alten Friedhof in den neuen, 1955 nochmals bei einem Ehepaar.
Bis zum Neubau des Leichenhauses im Jahr 1962 mussten die Verstorbenen entweder im eigenen Haus aufgebahrt werden oder, wenn sich die betreffende Wohnung wegen ihrer Größe hierfür nicht eignete, in der Seelenkapelle. Im Jahr 1988 schuf man durch einen Anbau einen Raum für die Salutkanone und Toilettenanlage. Rund 25 Jahre war man wieder so weit, dass es im neuen Friedhof eng wurde und ein Platzmangel zu befürchten war. So kam es zur Erweiterung in Richtung Norden. Der am 25. Januar 1987 gestorbene ehemalige Bahnhofsvorstand Karl Ulrich war der erste, der hier beerdigt wurde. Am 23. Februar 1997 läutete erstmals in dem neu geschaffenen Turmaufbau eine kleine Glocke.
Wie überall geht auch in Miltach der Trend eindeutig zur Urnenbestattung. Um diesen Wünschen entgegenzukommen, ließ die Gemeinde 2010 im Nordteil vier Steinstelen errichten, die 30 Urnen aufnehmen können. Momentan sind darin noch 4 Plätze frei. Daneben befinden sich 10 ebenerdige Urnenplätze. Nach Aussage von Bürgermeister Johann Aumeier erfolgt noch im Herbst eine Erweiterung für die Aufnahme von Urnen in Boden, die mit Steinplatten 50 mal 50 Zentimeter abgedeckt werden.
Nach dem aktuellen Stand verfügt der „alte Friedhofsteil (er ist im Besitz der Katholischen Kirchenstiftung und wird von der Gemeinde nur pachtweise verwaltet) über 256 Doppelgrabstellen, davon sind inzwischen 39 nicht belegt. Weiter 28 Einzelgrabstellen, 11 nicht belegt. Im erweiterten Friedhofsteil (Besitzer ist die Gemeinde) bestehen 42 Doppelgrabstellen und 16 Einzelgrabstellen, davon sind zur Zeit 6 Doppelgrabstellen und 4 Einzelgräber nicht belegt.
Bilder: Christian Röhrl, Miltach



