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Pfarrkirche

Aus der Geschichte unserer Pfarrgemeinde „St. Martin“ Miltach

 

Pfarrkirche St. Martin vereint vier Baustile

 

Der erste romanische Sakralbau in Miltach entstand zwischen 1050 und 1100. Um 1400 wurde hiervon die Apsis abgerissen und an gleicher Stelle der jetzige Chorraum errichtet. Die zwei Schlusssteine im Gewölbe  zeigen die Wappen von Cham sowie ein Steinmetz-Meisterzeichen. Um die Mitte des 18. Jh.  wurde die Kirche barockisiert, im Wesentlichen geschah dies in der Turmerhöhung. Bei dem achteckigen Aufbau mit Schalllöchern und Klangarkaden erhielt  die Kuppel die damals moderne Zwiebelform.

 

Für die erneute Erweiterung und Umgestaltung im Jahr 1974 waren zwei Gründe ausschlaggebend: das fehlende Raumangebot für die Gottesdienstbesucher und die marode Bausubstanz des Kirchenschiffes (feuchtes und brüchiges Mauerwerk). Nach anfänglichen Bedenken gab das Landesamt für Denkmalpflege seine Zustimmung zum Abbruch des rückwärtigen Teiles und den folgenden Neubau.

Kirche

Die offizielle Grundsteinlegung erfolgte am 8. September 1974 durch Domkapitular Martin Lehner. Am 25. Oktober des gleichen Jahres konnte bereits das Richtfest für das von Professor Karl Habermann aus Buchendorf bei München geplante Projekt gefeiert werden. Auxiliarbischof Karl Flügel weihte am 8. August 1976 die Pfarrkirche. Die Gesamtkosten der Erweiterung und der gleichzeitig durchgeführten Renovierung  betrugen 2,2 Millionen Mark (rund 1,1 Mill. Euro).

 

Erweiterungsbau, Chorraum und Turm bilden trotz verschiedener Baustile sowohl innen  als auch außen eine architektonische Einheit. Das Mauerwerk des Anbaues besteht aus  Ziegelsteinen, die nach ihrer Verarbeitung  unverputzt, weiß gestrichen und damit in der Struktur gut sichtbar blieben. Der rückseitigen Wand geben zwei hohe Betonstützen die notwendige statische Festigkeit.

Kirche innen

Nach der Fertigstellung entspricht der Kirchenraum nun  besser den Anforderungen der Liturgie und bietet 350 Sitzplätze.


Die Form des ehemaligen Giebeldaches behielt auch der Anbau im  Jahr 1974 bei, durch die Verbreiterung des Kirchenschiffes wirkt er nun weniger steil. Die fünf seitlichen Pfeiler, deren Stahlbetonkern verkleidet ist, nehmen den Seitendruck des Stahldachstuhles auf. Eine Reihe schmaler Fenster  lässt an beiden Seiten genügend Licht ins Kircheninnere. Einen besonderen Effekt setzt das schmale Lichtband  an der Westseite. Die gesamte Dachkonstruktion ist mit einer hellgrauen Bretterschalung versehen, die die  Schlichtheit des Raumes unterstreicht. Der großzügige Anbau ist der Stilrichtung „Funktionalismus“ zuzuordnen, wonach die Form des Bauwerkes ganz aus der Aufgabe abgeleitet wird. Nach Meinung  vieler Besucher gelang dies Prof.  Habermann hervorragend.

 

Chorraum
Der Hochaltar aus dem Jahr 1760, ein Rokokoaufbau mit freistehenden runden und vierkantigen Säulen, ist seitlich ausgeweitet mit darunterliegenden Durchgängen, die früher bei Beerdigungen zum üblichen Opfergang benützt wurden. Als Altarwächter stehen links die Figur des Hl. Andreas (schräges Kreuz) und rechts die des Hl. Jakobus (Pilgerstab und Trinkgefäß). Den Mittelpunkt des Hochaltares bildet ein Gemälde, das den Patron der Pfarrkirche, den Hl. Martin darstellt. Das Bild mit dem bekannten Motiv der Mantelteilung malte Ignaz Anton Sollfleisch aus Cham. Oben schließt der Hochaltar mit einem sogenannten Gnadenstuhl, der Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit – Gottvater hält das Kreuz mit dem toten Christus im Schoß, darüber schwebt die Taube, Symbol für den Hl. Geist.

Chorraum

Links vom Altar befindet sich die Figur des Hl. Florian (1763), rechts der Patron der Schützen und Pestkranken, der Hl. Sebastian (1754), und die Hl. Barbara mit dem Turm (um 1980), letztere als Ersatz für die um 1960 gestohlene Statue.

Die Rosenkranzmadonna im Chorbogen aus dem Jahr 1780 fand bereits Verwendung als Vorlage für ein Replikat der Firma ARA-Kunst. Sechs Gedenktafeln mit Familienwappen aus den Jahren 1695 bis 1849, davon einige hinter dem Hochaltar, erinnern an die Schlossherrn „von Schönprunn“. Bei einer 1921 durchgeführten Renovierung stieß man im Chorraum auf Reste von Wandbildern, die aber wegen des schlechten Zustandes wieder übertüncht wurden. Erneute Freilegungsarbeiten 1974/75 förderten die nur noch in Fragmenten bestehende Abendmahlszene zu Tage. Das älteste Stück der gesamten Innenausstattung ist das Holzrelief „Tod Mariens“ (um 1480).

 

Langhaus

Der linke Seitenaltar ist eine Rekonstruktion des am 09. Dezember 1986 verbrannten Altares. Bei diesem Unglück wurde auch die gotische Strahlenmadonna mit Kind (1480) vollständig zerstört. Die beiden übrigen Figuren, links der Heilige Franz Xaver und rechts der Heilige Nepomuk, konnten durch Nachschnitzarbeiten

 

wieder hergestellt werden. Bei der Umgestaltung 1987 kam das Bild der Heiligen Gertrud von Hefta vom rechten in den linken Seitenaltar. Gemalt hat es Georg Achtelstetter aus Cham / Loibling im Jahr 1923. Darüber ist Johannes der Täufer dargestellt. Geschnitztes Herz (links) und Anker (rechts) an den beiden Säulen weisen darauf hin, dass es sich um einen "Herz-Jesu"-Altar handelt. Der rechte Seitenaltar (1760) erhielt 1987 ein Nikolausbild, eine Kopie aus der Kirche in Haag / Hohenschambach. Die goldenen Äpfel und das Buch an den Altarsäulen sowie die Mitra über dem Altar bezeugen, dass dieser vor 1923 bereits dem Heiligen Nikolaus geweiht war.

Langhaus

Den oberen Abschluß bildet vermutlich ein Bild des Heiligen Hieronymos (oder des Heiligen Gunther). An den Seiten stehen die Bauernheiligen Wendelin mit Schäferschaufel und Isidor mit Gabel und Pflug, beide in der Tracht der Entstehungszeit.


Pfarrer Karl Holzgartner (in Miltach von 1916 - 1924) bezeichnet die Kanzel (1762) als "schönstes und zierlichstes Stück" der gesamten Kircheneinrichtung. Auf dem Schalldeckel sind die Symbole der vier Evangelisten zu sehen: Engel (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (Lukas) und Adler (Johannes), darüber das Lamm Gottes auf dem apokalyptischen Buch mit den sieben Siegeln. An der Rückwand erinnern zwei Tafeln an die zehn Gebote Gottes. Nach unten endet die Kanzel in einem schlangenähnlichen Tierkörper, das Sinnbild des Teufels.

Auffällig an dem großen Holzkreuz mit Christuskorpus (vorne) ist die Art der Kreuzigung; so sind die Füße nebeneinander - nicht übereinander - genagelt. Vor dem Umbau bildete das Kreuz zusammen mit der Schmerzensmadonna (jetzt an der Rückwand) aus dem Jahre 1754 eine Einheit.

 

An der Turmwand befindet sich als Konsolfigur der Heilige Josef mit Jesuskind und Lilie (18. Jahrhundert). Die Marienfigur mit Kind im Strahlenkranz (neben dem linken Seitenaltar) ist eine Neuerwerbung aus dem Jahr 1990. Bei der kleinen Martinsfigur mit Bettler handelt es sich um eine Kopie des Original von Fidelis Ittelsperger (1780). Die Kreuzwegbilder an der rechten Seite sind eine Stiftung von Amerika-Auswanderern (1855). Die Bilder der zwölf Apostel an der Rückwand (18. Jahrhundert) waren ehemals ehemals an der Emporenbrüstung angebracht. Neben der Orgel hat das Halbrelief der Heiligen Cäcilia - Patronin der Kirchenmusik - seit August 1991 den entsprechenden Platz. Weiter hängt an der linken Außenwand ein auf Holz gemaltes Ölbergbild. Ein Engel reicht den Leidenskelch, rechts die Jünger Petrus und die zwei Brüder des Zebedäus. Die Firma Michael Weise, Plattling, baute die zweimanualige Orgel mit 16 Registern, wofür 1978 Prof. Habermann den Prospektentwurf lieferte. Die Beichtstühle aus Eichenholz fertigte die örtliche Schreinerei Heigl, die Kirchenbanke stammen von der Firma Stoiber, Neukolmberg.

Von geringem künstlerischem Wert ist die Figur "Christus an der Geißelsäule" im Vorraum der Pfarrkirche. Ab etwa 1750 kommen Darstellungen des "Geißelheilands" in der Region öfter vor. Auslöser hierfür war die aufstrebende Wallfahrt zur Wieskirche (Oberbayern). Eine besondere Beziehung hat die Pfarrei Miltach seit 1789 zum Heiligen Wendelin, aufgrund erlangter Hilfe bei einer Viehseuche. Die 1790 angeschaffte Votivtafel war irreparabel beschädigt und ist 1980 durch ein neues Bild, gemalt von Hans Höcherl (Moosbach), ersetzt worden.

Die neueren Ausstattungsstücke (1975) schuf der Bildhauer Wolfgang Hirtreiter, Gröbenzell. Für den Altar und den Ambo verwendete er heimischen Granit; Taufbecken, Kerzenleuchter, Türband, Glocke am Sakristeieingang und seitliche Wandleuchter sind aus Bronze. An der Außenwand befindet sich neben der Eingangstür etwas erhöht eine Statue des Kirchenpatrons (mit Gans). Die Plastik ist eine Fabrikarbeit.