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Geistliche & Ordensleute

Geistliche und Ordensleute aus dem Pfarrbereich

 

Es gibt nur spärliche schriftliche Hinweise über Personen aus dem Pfarrbereich, die vor mehr als hundert Jahren den geistlichen Stand ergriffen. Allein von Josef Heigl (Oberndorf), Johann Elsner (Miltach), Frater Gottfried Prechtl und Martin Pinzinger (Anzenberg) liegen ausführlichere Aufzeichnungen über ihr Leben und Wirken vor.

 

Die Reihenfolge  eröffnet Christoph Laubmayer, Miltach, geboren am 4. Februar 1743, Sohn eines Lehrers, Pfarrprovisor in Irlbach, gestorben 24. Juni 1766.

 

Johann Rädlinger, Kreuzbach, (die Ortschaft gehörte damals zur Filiale Miltach), geboren am 27. Januar 1804, war lange Zeit Hofkaplan und  Beichtvater der Kaiserin von Brasilien in Rio de Janeiro. Nach  der Revolution von 1832 schiffte er sich wieder nach Europa ein und wurde Pfarrer in Langengeislingen und danach von 1846 bis zu seinem Tod 1853 Stadtpfarrer und Dekan in Cham. Während dieser Zeit führte er eine umfangreiche Renovierung der Kirche St. Jakob durch.

 

Josef Gmeinwieser, Miltach, geboren am 2. Dezember 1807, hatte für einen Geistlichen einen etwas ausgefallenen Lebensweg. Er begann ein Theologiestudium, unterbrach kurzzeitig, weilte zu Hause, setzte sein Studium wieder fort und war von 1842 bis 1851 Kaplan in Chamerau. Er wohnte in Miltach,  (Kötztinger Straße 1, jetzt Eckl), wo er in der Landwirtschaft seiner Eltern eine Zeitlang mitarbeitete. Nach dem Verkauf des Anwesens wurde er Pfarrer in Geiersthal und Pfaffmünster. Sein Sterbedatum ist der 2. August 1869.

 

Johann Pongratz, Flammried, geboren am 7. Oktober 1816, übernahm zunächst eine Kooperatorenstelle in Schönsee  und trat später in den Redemptoristenorden ein. Gestorben ist er als Rektor am 16. November 1882 in Niederachendorf.

 

Johann Nepomuk Weber, Hütten, geboren am 9. Mai 1817,  gestorben am 13. September 1849 als Benediktiner in St. Stefan / Augsburg. Sein Vater war bei den Schlossbesitzern als Förster angestellt, deshalb nannte ihn die Dorfbevölkerung nur den „Jagermukel“.

 

Josef Breu, Flammried, geboren am 21. Oktober 1862, empfing am 19. Mai 1889 seine Priesterweihe. Ab 1898 wirkte er in Irsching als Pfarrer. Sein Geburtshaus hatte die Haus-Nr. 5 ½. Es wurde später abgebrochen und durch einen Neubau von Josef Späth ersetzt.

 

Pfarrer Heigl Josef Heigl, Oberndorf, geboren am 6. März 1864, empfing  am 19. Mai 1889 die Priesterweihe. Seine erste Kaplanstelle war Kötzting, ab 4. Dezember 1891 wirkte er in Deggendorf. 1898 erhielt er die Stelle als Stadtpfarrer von Furth im Wald übertragen, wo er 1932 als Ehrenbürger der Grenzstadt starb und dort auch begraben wurde. In der Stadtchronik ist über ihn festgehalten: „Der unermüdliche Seelsorger prägte 34 Jahre lang das kirchliche Leben der Stadt“. Als weitere Titel stehen auf seinem Sterbebild: Bischöflicher Geistlicher Rat und Bezirks- und Schuldekan. Auf sein Betreiben hin entstand der Bau des Gesellenhauses und des Vinzenzhauses.

Pfarrer Heigl war alljährlich in Miltach ein gern gesehener Festprediger anlässlich des Kirchweihfestes mit Martiniritt. In seinem Testament verfügte er, dass seine Albe und die Stola das Pfarramt Miltach erhalten solle. Ferner stiftete er 50 Reichsmark an die Expositur Miltach zur Lesung von 25 hl. Messen für ihn und seine Eltern.

 

Vorletzte Primiz liegt 75 Jahre zurück

 

Johann Elsner 3

Johann Elsner, Miltach, geboren am 16. April 1911, war der Sohn von Johanna und Stefan Elsner, die eine kleine Landwirtschaft betrieben. Der Vater übte nebenbei noch den Beruf eines Postboten aus.  Ab 1922 besuchte der 11-Jährige  das Humanistische Gymnasium in Straubing. Nach der Regensburger Seminarzeit empfing er am 19. März 1936 die Priesterweihe, zusammen mit Pfarrer Georg Samhuber, der in Miltach 30 Jahre wirkte.

Schon bei der Ankunft am Bahnhof bereitete die Bevölkerung dem Neupriester einen prächtigen Empfang. Sämtliche Vereine waren aufmarschiert, um ihn ins Dorf zu geleiten. Der 25. März, Festtag Maria Verkündigung, war wirklich ein großer Freuden- und Festtag für die Pfarreibewohner, denn nach 47 Jahren war erstmals in Miltach wieder eine Primiz zu feiern.

Dazu war am St. Martinsplatz ein kleiner Altar aufgebaut, den ein Tragbaldachin überspannte. Das nahestehende Elternhaus sowie die nächstliegenden  Häuser waren mit Girlanden geschmückt. Als Zugeständnis an die „braunen Machthaber“ sieht man auf den Fotos sogar die Hakenkreuzfahne flattern. Andächtige Gläubige füllten den gesamten Platz, als der Neupriester sein erstes Messopfer zelebrierte, wobei der örtliche Kirchenchor den Gottesdienst musikalisch gestaltete. Als Leviten wirkten zwei Weihekollegen mit. 

Eine besondere Ehre an dem herausragenden Tag wurde der zehnjährigen Nachbarstochter Anna Schmucker zuteil, die sich Johann Elsner als Primizbraut auserwählte. Ihre Aufgabe bestand darin, die Primizkrone während des Festzuges auf einem weißen Kissen mitzutragen. Der Neupriester hatte, wie es früher einst bei einem Bräutigam üblich war, ein Tugendkränzchen am linken Arm. Auf dem offiziellen Primizfoto trägt Elsner eine Soutane mit Schärpe und schwarze Lederhandschuhe, in der Hand hält er einen Zylinder.

Primiz Elsner Primiz Elsner 2

Zum Festmahl fanden sich dann die geladenen Gäste im nahen Gasthaus Griesbeck ein, wobei eine Blaskapelle „übers Mahl spielte“. Nach der noch vorhandenen Speisekarte gab es folgendes Menü: „Suppe mit gebackenen Knödeln und Bratwürsten, Kalbslunge mit Butterbögen, Ochsenfleisch mit Blaukraut und Meerrettich, Kalbsbraten mit Salat, Schweinebraten mit Gemüse und zum Dessert Punschtorte“. Den offiziellen Abschluss des Tages bildete am Nachmittag eine Dankandacht in der Pfarrkirche St. Martin.

Seinen ersten Seelsorgedienst trat Johann Elsner am 1. April  1936 als Kooperator in Eschlkam an. Nach einem Monat wurde  er auf eine Kaplanstelle nach Roding versetzt.  1940 erhielt er die Einberufung zum Militärdienst als Sanitäter. Die letzte schriftliche Nachricht erhielten seine Angehörigen am 1. Januar 1943 aus der Nähe von Stalingrad.

 

Martin Pinzinger  wurde am 22. Februar 1919 den Bauerseheleuten Anna und Jakob Pinzinger in Anzenberg geboren.  Er wuchs mit weiteren vier Brüdern und zwei Schwestern auf dem elterlichen Hof auf. Nach seiner Schulzeit in Miltach kam der junge Anzenberger zum Studium nach Burghausen, wo er als Novize  in den Orden der Kapuziner eintrat. Über sein weiteres Studium ist nur bekannt, dass er den Ordensnamen Ludger erhielt. Das Sterbebild verrät, dass der junge Mann später einem Gebirgsjäger-Regiment angehörte und Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse und Träger des Sturmabzeichens war. Am 6. November 1941 ist der 22-Jährige in Rußland (Donezbecken) gefallen. Beim Gedächtnisgottesdienst in der Heimatkirche erwähnte Pfarrer Wensauer auch das Schreiben  des Ordensoberen über den Tod des angehenden Klerikers: Pinzinger

„Wir sind erschüttert. War er doch ein braver Jungmann, der treu sein ideales Ziel anstrebte und allen ein vorbildliches Beispiel gab. Sein Heldentod war nach Gottes Willen seine Primizfeier“.

 

Mauritia Schreiner, geboren am 21. November 1853 in Heitzelsberg, legte die ewige Profess am 26. Oktober 1882 bei den Barmherzigen Schwestern ab. Die Ordensfrau, die vom „Schmiedanwesen“ stammt, war als Krankenschwester in einer orthopädischen Klinik in München eingesetzt und starb dort auch um 1965.

 

Maria Früchtl wurde am 24. Mai 1912 in Oberndorf, Zandter Str. 2 (früher Haus Nr. 6) geboren. Hier wuchs sie auf dem  “ Voitlhof“ mit drei Brüdern und zwei Schwestern auf. Die Schule besuchte sie in Miltach. Im Alter von etwa 17 Jahren begann durch den Eintritt in das Kloster Aiterhofen bei Straubing ein neuer Lebensabschnitt für die junge Oberndorferin.  Zunächst erhielt sie als Novizin eine Ausbildung als Näherin in Arnbach (bei Markt Indersdorf), wo die Franziskanerinnen auch behinderte Menschen betreuten. Danach ging es zurück in ihr Mutterhaus, wo Maria Früchtl am 25. Mai 1933 die Ewige Profess für den Ordensstand ablegte, genau einen Tag nach ihrem 21. Geburtstag. Dabei erhielt sie den Ordensnamen Juliana.

Früchtl

Als junge Klosterfrau war ihr sehnlichster Wunsch, nach Brasilien  gehen zu dürfen, wo die Franziskanerinnen mehrere  Stationen unterhielten und auch jetzt noch dort tätig sind. Die Ordensleitung verwehrte ihr jedoch diesen Herzenswunsch. Obwohl sie mit Überzeugung und Begeisterung den geistlichen Beruf wählte, bedrückte sie das Verbot, an den Beerdigungen von Bruder und Vater  teilzunehmen, die 1940 innerhalb von drei Wochen starben. Diese Zeit empfand Schwester Juliana schon als schwierig.

Später war sie gerne in Aiterhofen, wo sie in der Wäscherei beschäftigt war. Auch die Ausbesserung von gespendeten Kleidern, die nach Brasilien gingen, fiel in ihren Aufgabenbereich.  Als das „Reiseverbot“ etwas gelockert wurde, kam die Ordensfrau  jährlich für etwa zwei Wochen in Urlaub nach Oberndorf und besuchte dabei regelmäßig ihre Angehörigen. Sie galt als aufgeschlossen und war mit ihrer Lebenssituation sehr zufrieden. Verstorben ist Maria Früchtl am 29. Januar 1981 in Aiterhofen, wo sie auch beerdigt ist. 

 

Am 16. November 1948 traten die Schwestern Kreszenz und Rosina Pongratz gemeinsam als Novizinnen in das Mutterhaus der „Armen Franziskanerinnen“ ein. Die Ewige Profess legten beide in Mallersdorf ab.  Die beiden Ordensfrauen waren danach überwiegend in der Krankenpflege eingesetzt.  Kreszenz Pongratz kam am 20. April 1922 in Flammried zur Welt, wo ihre Eltern Michael und Rosina eine für damalige Begriffe eine mittelgroßes landwirtschaftliches Anwesen betrieben. Die Volksschule besuchte sie in Miltach. Insgesamt gehörten zur Familie 6 Kinder, wobei Bruder Karl später den Hof übernahm. Im Kloster trug die Ordensfrau den Namen „Richardina“. Gestorben ist sie am 10. Oktober 1988 in Mallersdorf, wo sie auch beerdigt ist. Ihre Schwester Rosina, geboren am 28. Dezember 1925, die den Ordensnamen „Sophronia“  trägt, lebt noch im Kloster Mallersdorf. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit der Anfertigung  kunstvoll verzierten Kerzen oder Handarbeiten.

Pongratz                                                                              Pongratz 2

Nachzutragen bleibt noch, dass eine Tante der Pongratzschwestern, Kreszenz Späth aus Flammried, ebenfalls den „Mallersdorfer Schwestern“ angehörte und den Namen „Alexis“ trug. Sie stammt aus dem Haus Nr. 5 und war während ihrer Ordenszeit in Weiden (Opf) eingesetzt.  Geboren ist sie am 13. Juni 1897, gestorben am 17. Juni 1971. Weitere Daten sind nicht bekannt.

 

Prechtl Karl Prechtl stammt aus dem Anwesen an der Höhenrieder Straße  5, wo er am 4. August 1929 geboren wurde. Er hatte vier Brüder und eine Schwester. Nach seiner Volksschulzeit kam er zu den Maristen-Schulbrüdern nach Furth bei Landshut. Hier entschloss er sich zum Ordenseintritt und legte 1948 die ersten Gelübde ab. Er erhielt dabei den Ordensnamen Gottfried. Im Alter von 24 Jahren holte er in Mindelheim das Abitur nach.  In diesem Internat blieb er zwei Jahre als Präfekt. Die Ewigen Ordensgelübde legte der immer bescheiden auftretende Miltacher 1953 ab. Später folgte er dem Auftrag nach Vaduz im Fürstentum Lichtenstein, um als Lehrer für die schulische Ausbildung der Jugend zu wirken.

Hier gehörten unter anderem  auch Kinder der fürstlichen Familie zu seinen Schülern. Zwischendurch studierte Frater Gottfried zwei Jahre an der Universität Freiburg (Schweiz) die Fächer Deutsch, Englisch und Religion. Danach berief ihn der Orden wieder ins Seminar Furth zurück, wo er 17 Jahre als Juvenatleiter, Novizenmeister und Schulleiter tätig war. 1989 entschloss er sich nochmals zu einer Veränderung und ging nach Roo in Kenia, das am Rande des Viktoriasees liegt. Frater Gottfried war einige Jahre Superior der Kommunität. Das Ziel aller Arbeiten in Afrika ist die Verbesserung der schulischen Ausbildung der Kinder sowie die Erziehung der Jugend in landwirtschaftlichen Bereichen. Daneben organisiert der Orden auch den Bau von Schulen und Kirchen und verbessert die Wasserversorgung durch Brunnenbohrungen. Alle zwei bis drei Jahre kam Frater Prechtl regelmäßig  in sein Heimatdorf zu einem Erholungsurlaub. Frater Gottfried (Karl) Prechtl verstarb am Morgen des 25. Februar 2017 im Pflegeheim "St. Martin" in Pfeffenhausen und wurde am Mittwoch, den 01. März 2017 auf dem Klosterfriedhof in Furth bei Landshut beigesetzt.

 

Jürgen Josef Eckl wurde am 27. April 1983 in Kötzting geboren. Er stammt aus dem Ortsteil Eben, Gemeinde Miltach. Nach dem Schulbesuch an der Grundschule in Miltach und am Benedikt-Stattler-Gymnasium in Bad Kötzting. studierte er an der Universität in Regensburg Theologie. Während des anschließenden Besuchs des dortigen Priesterseminares, erfolgte ein Praktikumsjahr in der Pfarrei "Maria Himmelfahrt" in Deggendorf. Die Priesterweihe empfing er im Juni 2011 durch den damaligen Bischof von Regensburg und heutigen Präfekten der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Kardinal Müller. Anfang Juli 2011 konnte der junge Geistliche die feierliche Primiz in unserer Pfarrei „St. Martin“ in Miltach feiern.

Jürgen Josef Eckl

Von September 2011 - August 2014 war er drei Jahre Kaplan in der Pfarreiengemeinschaft Gangkofen, Obertrennbach und Reicheneibach. Von September 2014 - August 2017 absolviert er seine zweite Kaplanstelle in der Pfarreiengemeinschaft Ergoldsbach - Bayerbach.  Jürgen Josef Eckl trat zum 1. September 2017 seine erste Dienststelle als Pfarrer an. Es ist die Pfarreiengemeinschaft Pilsting-Großköllnbach im Landkreis Dingolfing. Die von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer an Jürgen Eckl übertragene Pfarreiengemeinschaft ist ein Zusammenschluss von zwei Pfarreien mit den Benefizien Parnkofen und Ganacker. Insgesamt zählt die Pfarreiengemeinschaft knapp 5000 Katholiken.

 

Text und Repros: Erwin Vogl, Miltach

                                 Christian Röhrl, Miltach