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Pfarrmissionen

 

Die Mission diente den Glauben zu stärken

Nachweislich gab es in Miltach bisher fünf Volksmissionen

 

So genannte „Missionen“ dienen vornehmlich der Erneuerung und der Vertiefung des christlichen Glaubenslebens in den Pfarreien. In der Regel finden Gemeindemissionen in Abständen von zwei oder drei Jahrzehnten statt. Eingesetzt werden dabei auswärtige Patres, die zu verschiedenen Themen predigen. Diese waren manchmal aufgeteilt für unterschiedliche Alters- oder Standesgruppen. Die letzte Pfarrmission, die der überpfarrlichen Seelsorge diente, war in Miltach im Jahr 2009.

 

Die erste Volksmission in Miltach fand wohl 1879 statt. Aus diesem Anlass ließ die Pfarrgemeinde an der Südseite  der Kirche ein „Missionskreuz“ aufstellen. Das  etwa 3 Meter hohe Kreuz mit Korpus stand auf einem Steinsockel. Leider verschwand dieses historische Monument auf unerklärliche Weise bei den Arbeiten zur Kirchenerweiterung im Jahr 1974.

 

27. November bis 4. Dezember 1921

Eine ausführliche Schilderung der Volksmission vom 27. November bis 4. Dezember 1921 in Miltach hinterließ Expositus Karl Holzgartner. Wörtlich schrieb er in seinen Aufzeichnungen: „Sie war die erste, die in Miltach gehalten worden ist. Es kann sich wenigsten niemand einer solchen erinnern“. An anderer Stelle schreibt der Geistliche jedoch: „Weihe des Missionskreuzes, das bereits 1879 aufgestellt worden war“. Das Kruzifix des Kreuzes ließ  Holzgartner 1921 zu dem bedeutungsvollen Anlass vergolden und den Stein mit Stahlbürsten reinigen.

 

„Um 3.29 Uhr kamen die ersten zwei Missionare mit dem Zug aus Straubing an:  Pater Dionys Habersbrunner, Eichstädt und Pater Nicolaus Körbel aus dem Kapuzinerkloster Rosenheim. Der dritte Pater, Walter Emmert, Mainburg, kam erst am Montag. Alle drei Patres wurden im Expositurhaus untergebracht. Am Sonntag um 8.30 Uhr zogen die Missionare unter Begleitung der Kirchenverwaltung und einigen weiß gekleideten Mädchen mit Festgeläut in die Kirche ein. Am Alter erfolgte dann die Stolaübergabe an den Superior der Mission Pater Dionys. In seiner Einladungspredigt sprach er zum Thema: „Selig, wer an diesem Mahle (Mission) teilnehmen darf“. Der Besuch der Missionspredigten nahm mit der fortschreitenden Woche erfreulicherweise immer mehr zu. Am besten besucht war die Sakramentspredigt.

 

Bei den Standeslehren der Frauen und Jungfrauen waren alle Bänke im Kirchenschiff, Presbyterium und  Empore besetzt. Bei den Standeslehren der Männer waren die rechte Seite ganz besetzt, links blieben einige Plätze leer. Bei den Burschenpredigten war es ähnlich. Beichte gehört wurde in den Schulhäusern. Das Heizmaterial wurde von der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Am besten predigte P. Dionys, auch die übrigen beiden predigten sehr volkstümlich und allgemein verständlich. In der Schlusspredigt war die Kirche besetzt wie noch nie – ein fürchterliches Gedränge. Anschließend zogen die Gläubigen in einer Prozession durch das Dorf.

 

Die Leute äußerten sich allgemein hochbefriedigt über den Verlauf der Mission: „Es war schön, wirklich schön“, so konnte man hören. Kein Misston störte die Mission. In die Kirche und zur Kommunionbank kamen Männer, die man schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Am Schluss seines Berichtes listete der Ortspriester namentlich auf, wer bei den Veranstaltungen fehlte: es waren 16 Männer, 4 Burschen und 3 Frauen! Zur Verköstigung der drei Patres spendeten die Expositurangehörigen die verschiedensten Naturalien. Die Aufzählung mutet aus heutiger Sicht mehr als kurios an, zum Beispiel 2 Pfund Kalbfleisch, 31 Pfund Mehl, 84 Eier, 25 Liter Milch, einen Hecht und 4 Laib Brot.

 

29. Mai bis 5. Juni 1932

Über den Verlauf der Pfarrmission im Jahr 1932 gibt es vermutlich keine Aufzeichnungen mehr. Erhalten geblieben ist nur ein „Andenken an die heilige Mission in Miltach“, ein Blatt in Größe DIN A6 mit einigen Gebeten und Glaubensregeln. Im Einzelnen sind es Gebetsvorlagen beim Erwachen am Morgen, beim Beginn der täglichen Arbeit, ein Gebet vor dem Essen und „Gelobt sei Jesus Christus“ als katholischen Gruß zu pflegen. Weiter enthält das Blatt verschiedene christliche Lebensregeln. Als Merksatz ist vorangestellt: „Willst du zum Leben eingehen, so halte die Gebote“. Betont wird dabei auch die Sonntagsheiligung. „Wohne nicht nur dem vormittäglichen Gottesdienst bei, sondern auch der Nachmittagsandacht. Lies zumal an Sonntagen gern in einem geistlichen Buche und entheilige den Tag des Herrn nicht durch ausschweifende Belustigungen“. Gehalten wurde die Mission von den Redemptoristenpatres Karl Schleinkofer (München), Thomas Schaumberger (München) und Richard Eckel (Bickesheim). Expositus war zu dieser Zeit Korbinian Zeitler. Er wirkte vom 1. Oktober 1929 bis 16. November 1934 in Miltach. Der Priester starb 1976 im Alter von 80 Jahren. Eine Abordnung der Miltacher Kirchenverwaltung nahm an der Beerdigung in Mitterteich teil. Pfarrer Zeitler gab kurz zuvor noch einen Geldbetrag für den Erweiterungsbau der Miltacher Kirche.

 

6. bis 17. Dezember 1961

Im Jahr 1961 wird zur Mission als Termin wieder der Spätherbst gewählt, da zu dieser Jahreszeit die Arbeit auf Feld und Flur schon ruhte. Damals gab es allein im Dorf noch rund 40 praktizierende Landwirte. In seiner Einladung schreibt Pfarrer Georg Samhuber: „Liebe Pfarrkinder! Am kommenden Mittwoch beginnt in unserer Pfarrei die hl. Mission. In diesen Tagen bietet uns Christus, der Herr, ein hohes Maß an Gnade und Liebe an, um uns in seiner Gesinnung zu erneuern. Ich lade hierzu alle Pfarrkinder recht herzlich ein die Volksmission von ihrer feierlichen Eröffnung bis zum Abschluss mit großer Aufgeschlossenheit und Liebe mitzumachen“.

 

Im beiliegenden Programm sind für jeden Tag die jeweiligen Termine für die verschiedenen Gruppen angegeben. Angesprochen waren dabei in Standeslehren Frauen und Witwen, Mädchen, Jungmänner sowie Männer und Witwer.  Als Patres vom Orden der Redemptoristen predigten Ludwig Grandl (Cham) und Werner Holler (Forchheim). Als Themen wählten sie: Die Wurzel aller Übel ist die Liebe zum Geld; wer betet, wird gerettet, wer nicht betet, geht verloren und gedenke, dass du den Sabbat heiligst.

 

Zur Erinnerung erhielten die Mitfeiernden bei den 12 Gottesdiensten ein Andenkenbild. Hier sind nochmals die grundsätzlichen Verhaltensregeln eines gefälligen Christenlebens zusammengefasst: Christ in der Familie, Christ im Berufsleben, Christ in der Freizeit und Christ am Sonntag. Der Schlussgottesdienst endete mit dem Päpstlichen Segen und Tedeum.

 

Volksmission 1981

Nach zwei Jahrzehnten gab es in Miltach vom 17. Oktober bis 1. November 1981 erneut eine Volksmission. Zur Vorbereitung erhielten die Pfarrangehörigen ein von Pfarrer Johann Six (in Miltach 1979 bis 1991) erstelltes umfangreiches Missionsprogramm. Die 16 Tage dauernde Veranstaltung begann mit dem feierlichen Einzug der Patres in die Pfarrkirche, begleitet vom Ortspfarrer, den Ministranten, dem Kirchen- und Pfarrgemeinderat, sämtlichen Ortsvereinen mit brennenden Fackeln, angeführt von der Blaskapelle „Weißblau-Königstreu“.

 

In den folgenden Tagen gab es ein reichliches Angebot für Schüler, Jugendliche und Erwachsene, unterteilt für Ehepaare und Alleinstehende. Die Patres vom Orden der Redemptoristen, Sebastian Redl (Würzburg) und Erich Liebl (Cham), besuchten die Schulklassen, den Kindergarten und die Hauskranken. In der ersten Woche der Mission gingen die Patres zu Gesprächsabenden auch in die Gasthäuser der verschiedenen Ortsteile: Wieser – Heitzelsberg; Schlossbräustuben – Miltach; Hofmann – Oberndorf und Bürgerhof – Miltach. Diese Art der Missionierung war in Miltach neu, kam aber bei den Besuchern gut an. Sie erhielten Antworten auf die gestellten Fragen.

 

 

   Mission Miltach 1981

Auch auf die meist angekreuzten Themenbereiche der abgegebenen und ausgewerteten Themenfaltblätter nahmen die Geistlichen Stellung.

 

Im Verlauf der zwei Wochen übernahm Pater Liebl besonders die Schüler- und Jugendmission mit Unterrichtsstunden in der Schule, Schülergottesdienste und Schülerbeichten. Die Jugendlichen gestalteten am Vorabend des Weltmissions-Sonntags den Gottesdienst, übernahmen den Verkauf von Tee, Gewürzen und Kaffee zugunsten der Dritten Welt.  Eine beeindruckende Veranstaltung war das Treffen im Chorraum der Kirche zu einer liturgischen Nacht. Pater Redl überzeugte bei seinen Predigten durch seine ruhige Art, er ließ den Zuhörern Zeit zum Nachdenken. Die Rosenkranzgestaltung mit Bildbetrachtung und Liedern, die Redl oft mit der Gitarre begleitete, wurde positiv aufgenommen.

 

Bei ihren Predigten bei den Gottesdiensten wählten die Patres die Themen: Wie Gott uns nahe kommt; Warum ich zur Kirche stehe; Versöhnung mit Gott und untereinander; Christliche Ehe und Familie. In der zweiten Missionswoche waren reichlich Beichtmöglichkeiten gegeben. Eine gute Hinführung zum Empfang des Bußsakramentes war 1989 der angebotene Bußgottesdienst. Anschließend zogen die Gläubigen zu Ehren Mariens in einer Lichterprozession durch den Ort.

 

Gemeindemission in Zahlen

Im Durchschnitt fanden sich bei Standespredigten pro Tag etwa 250 Pfarrangehörige ein, am Höhepunkt der Veranstaltung waren es aber 350 Personen. Das Bußsakrament empfingen: 63 Mädchen/Burschen, 78 Kinder, 226 Frauen und 132 Männer. Die Sammlung für den Redemptoristenorden zur Verwirklichung seiner weltweiten Aufgaben erbrachten 4 430 Mark.

 

Letzte Mission vor 11 Jahren

„Gott lässt wachsen – unsere Gemeinde bereitet den Boden“. Unter diesem Motto stand 2009 vom 17. bis 28. Oktober erneut eine Pfarrmission, diesmal schon zusammen für die Seelsorgegemeinschaft Blaibach und Miltach. In seinem Aufruf dazu schreibt Pfarrer Augustin Sperl: „Worin liegt der Sinn einer Mission? Tatsache ist, dass heute vielen Getauften das Wissen und auch das Staunen über den eigenen Glauben abhanden gekommen ist. Das Glaubenswissen verdunstet – wie wir selber bemerken. Um den Glauben zu vertiefen und neu zu stärken, dazu sollen uns die Tage der Mission eine Hilfe sein“.

 

Zur Abstimmung auf die Themen der angebotenen Predigten wurden vorher an die Gläubigen Fragebögen ausgegeben. Als Prediger waren an den zehn Tagen eingesetzt: Pater Josef Steinle, Pater Rudolf Leicht, beide vom Redemptoristenkloster Forchheim (Oberfranken) und Pater Wolfgang Kindermann aus Ellwangen/Jagst.

 

Mission Miltach 2009    Als wichtigste Themen, die die Patres in ihren Predigten aufgriffen sind zu nennen: Die Frage nach dem Sinn des Lebens aus Sicht des Glaubens; der gute Gott und das Leid; Christ sein, ohne Kirche? Tod und was dann? Wege der Versöhnung – Beichte, Bußgottesdienst. Ein eigener Jugendgottesdienst und eine Familienmessfeier ergänzten die spirituellen Angebote. Auch die örtlichen Vereine beteiligten sich an den Missionstagen.

Die Gottesdienste erhielten durch die Martinirhythmix, die Martinssänger, den Kinderchor und einer Bläsergruppe eine wertvolle Bereicherung. Auch der Kindergarten und die Schule wurden durch Besuche der Patres in den Ablauf mit einbezogen. An zwei Bastelnachmittagen fertigten die Kinder Fingerrosenkränze. Die Sternwanderung der Jugend zum Jägerkreuz war ein tiefes Glaubenszeugnis.

 

Zum Abschluss der Gemeindemission in Miltach erhielt das restaurierte Missionskreuz aus Schmiedeeisen auf einem Steinsockel angebracht die Segnung. Dieses Kreuz in Nähe der Seelenkapelle soll nach den Worten von Pfarrer Sperl auch in den kommenden Jahrzehnten noch an die Mission erinnern. Nach einer gemeinsamen Sitzung der Pfarrgemeinderäte aus Blaibach und Miltach zur Nachbetrachtung hieß es in der Zeitung: „Obwohl sich kaum ein Nichtkirchenbesucher aktiv für die Mission interessierte und die Jugendlichen sich nicht im erhofften Maße beteiligten, war die Mission eine wertvolle und willkommene Bereicherung des Pfarrlebens“.

 

Quelle Text u. Bilder: Erwin Vogl, Miltach