Martiniritt 2025 war wieder ein besonders festlicher Tag in unserer Regentalgemeinde

306. Miltacher Martiniritt – gelebte Glaubenstradition mit 199 Reitern im Zeichen des heiligen Martin

Ein Festtag mit Herz, Geschichte und gelebter Gemeinschaft

 

Ein Stück Himmel über Miltach – so könnte man den diesjährigen 306. Martiniritt beschreiben, der am Samstag bei typischem Novemberwetter gefeiert wurde. Zwischen grauen Wolken und kühlem Wind blieb es erfreulicherweise trocken – „ein wahrer Segen von oben“, wie viele Besucher bemerkten. Entlang der Straßen, auf den Plätzen und am Prozessionsweg zur Maria-Hilf-Kapelle versammelten sich zahlreiche Gläubige und Schaulustige, um das traditionsreiche Gelöbnis zu begleiten.

 

Mit 199 Reiterinnen und Reitern, die sich auf ihren festlich geschmückten Pferden auf den Weg machten, zeigte sich eine leicht steigende Tendenz gegenüber dem Vorjahr – ein deutliches Zeichen dafür, dass diese uralte Glaubenstradition auch heute noch lebendig und bedeutsam ist. Das Zusammenspiel von religiöser Feier, Gemeinschaft und Brauchtum machte den Tag zu einem eindrucksvollen Glaubenszeugnis mitten im Alltag.

 

Martiniritt Miltach 2025 Martiniritt Miltach 2025

 

Feierlicher Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin

Zu Beginn des Festtages feierte die Pfarrei Miltach den Patroziniumsgottesdienst in der festlich geschmückten Pfarrkirche. Unter den Klängen der „Weißblau Königstreuen“ unter Leitung von Josef Pielmeier erfüllten feierliche Bläserweisen das Gotteshaus und verliehen der Liturgie einen würdevollen Rahmen.

 

Hauptzelebrant war Dekan und Stadtpfarrer Josef Karl Geismar aus Plattling, der in seinen einleitenden Worten an seine persönliche Verbindung zur Pfarrei erinnerte: „Ich freue mich, heute hier sein zu dürfen. 2007 war ich der erste Chef von Pater Joseph Santhappan, als er seinen Dienst in Deutschland begann“, sagte Geismar schmunzelnd und erntete zustimmendes Lächeln in den Reihen der Gläubigen.

 

Gemeinsam mit Pfarrer Joseph Santhappan MSFS, Diakon Harald Schneider (Runding), Pfarrer Kilian Limbrunner (Chamerau), Kaplan Michael Steinhilber (Bad Kötzting) und Diakon Martin Peintinger (Cham-St. Josef) feierte er das Hochamt zu Ehren des heiligen Martin. Sechs Geistliche am Altar – das allein verlieh dem Gottesdienst einen außergewöhnlich festlichen Charakter.

 

Der heilige Martin – ein Wegweiser für das Leben

In seiner Begrüßung betonte Pfarrer Santhappan die tiefe Bedeutung dieses Tages: „Wenn wir heute Patrozinium feiern, danken wir Gott für das Vorbild eines Menschen, der mit seinem Leben gezeigt hat, was christliche Nächstenliebe bedeutet.“ Hinter der bekannten Szene der Mantelteilung verberge sich mehr als eine rührende Geschichte. Sie sei Ausdruck einer Haltung, die den Menschen bis heute herausfordert. In einer Zeit, in der viele auf der Suche nach Orientierung seien, könne der heilige Martin als Wegweiser für das tägliche Miteinander dienen – in Familie, Nachbarschaft, Beruf und Gesellschaft.

 

Predigt von Dekan Geismar: „Martin ist ein Türöffner für unser Leben“

In seiner eindrucksvollen Festpredigt ging Dekan Geismar auf die bleibende Aktualität des Heiligen ein. „Martin ist kein Heiliger aus einer anderen Zeit, den man hin und wieder abstaubt, sondern er ist ein Türöffner für unser Leben“, sagte er mit fester Stimme. Der Dekan hob hervor, dass der heilige Martin entscheidend zur Prägung der christlichen Kultur Europas beigetragen habe. Seine Mantelteilung sei Ausdruck einer zutiefst menschlichen und göttlichen Solidarität – er gab nicht einfach ein Kleidungsstück, sondern ein Stück von sich selbst.

 

Geismar mahnte, dass echte Solidarität auch heute Mut und persönliches Engagement erfordere. „Solidarität ist kein Gefühl, sondern die Bereitschaft, sich einzusetzen – für andere, für das Leben, für das, was Gott uns anvertraut hat.“ Mit deutlichen Worten kritisierte er die zunehmende Vereinsamung vieler Menschen in einer Welt digitaler Medien: „Der Bildschirm, das Smartphone und der Laptop eröffnen eine virtuelle Welt, die vielen die liebste Ablenkung geworden ist. Doch Gesellschaft bedeutet Verantwortung füreinander – nicht Rückzug in digitale Parallelwelten.“

 

Leben ohne Gemeinschaft, so Geismar weiter, werde zur „Geisterfahrt im Gegenverkehr geistloser Individualisten“. Seine Botschaft war klar: Nur in echter Gemeinschaft könne Glauben gelebt und Zukunft gestaltet werden. „Tragen wir wieder gemeinsam Verantwortung und finden wir wieder zueinander. Das Leben lässt sich nämlich nicht programmieren“, schloss er seine Predigt mit nachdenklichen, aber hoffnungsvollen Worten. Am Ende des Messfeier war es Kirchenpfleger Christian Röhrl, der Dekan Geismar für sein Kommen und seine ansprechende Predigt sehr herzlich dankte. „Es war uns eine Freude, mit ihnen heute diese Heilige Messe feiern zu können.“ Mit einem Geschenkkorb drückte Röhrl seinen Dank im Namen der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderates aus.

 

Martiniritt Miltach 2025  Martiniritt Miltach 2025 
Martiniritt Miltach 2025 Martiniritt Miltach 2025

 

Prozession mit 199 Reitern – ein beeindruckendes Glaubenszeugnis

Nach dem Gottesdienst formierte sich vor der Pfarrkirche die eindrucksvolle Prozession mit 199 Reiterinnen und Reitern, begleitet von zahlreichen Fußpilgern, Ministranten, Fahnenabordnungen und Musikanten. Voran ritten die Kreuz- und Kirchenfahne, gefolgt von der Monstranz mit dem Allerheiligsten.

 

Der Zug bewegte sich würdevoll durch den festlich geschmückten Ortskern in Richtung Maria-Hilf-Kapelle, wo das Evangelium, der Lobpreis und die Fürbitten verkündet wurden. Der Weg war gesäumt von hunderten Zuschauern, die andächtig den Vorüberziehenden zusahen. 

 

Auf dem Rückweg zur Pfarrkirche erklangen die festlichen Melodien der Bläsergruppe erneut, bevor am Kirchplatz der feierliche Segen für Ross und Reiter erfolgte. „Auf die Fürbitte des heiligen Martin schütze diese Pferde vor Krankheit und Gefahr und halte alle schädlichen Einflüsse fern, damit sie den Menschen helfen und eine Freude für sie sein können“, sprach Dekan Geismar, bevor er mit Weihwasser die Pferde segnete.

 

Viele Reiter verharrten dabei still, einige zogen ehrfurchtsvoll den Hut – ein bewegender Moment, der zeigte, wie tief Glaube und Tradition in Miltach verwurzelt sind.

 

Dank und Rückblick – ein Abschied mit Herz

Im Anschluss richtete Bürgermeister Johann Aumeier das Wort an die Teilnehmer und Gäste. Mit sichtbarer Rührung blickte er auf seine 18-jährige Amtszeit zurück: „Für mich ist es heute ein besonderer Martiniritt – mein letzter als Bürgermeister. Ich durfte diesen Tag 18 Jahre lang begleiten, und es war mir immer eine Freude, diesen Schatz an Tradition zu bewahren und mitzugestalten.“

 

Er erinnerte daran, dass der Miltacher Martiniritt ursprünglich auf ein Gelübde nach einer Viehseuche vor über 300 Jahren zurückgeht. Damals versprachen die Miltacher, jährlich zu Ehren des heiligen Martin zu reiten, wenn die Krankheit von ihrem Vieh ablasse – ein Versprechen, das bis heute erfüllt wird.

 

Aumeier dankte allen, die den Martiniritt möglich machten: der Pfarrgemeinde, den Vereinen, den beteiligten Geistlichen, den Sicherheitskräften, MdL Dr. Gerhard Hopp, dem Bad Kötztinger Polizeichef Christian Pongratz und den zahlreichen Helfern, die im Hintergrund tätig waren. In diesem Jahr war erstmals ein umfangreiches Sicherheitskonzept notwendig – dank guter Vorbereitung verlief der Ritt aber reibungslos und ohne Zwischenfälle.

 

Martiniritt Miltach 2025 Martiniritt Miltach 2025
Martiniritt Miltach 2025 Martiniritt Miltach 2025

 

Auszeichnungen für langjährige Teilnehmer und feierlicher Abschluss

Als Zeichen der Wertschätzung wurden Michael Iglhaut und Felix Zollner für jeweils 25 Teilnahmen am Martiniritt mit einer Fahne ausgezeichnet – eine symbolträchtige Ehrung für jahrelange Treue und Engagement.

 

Mit dem feierlichen Gesang der Bayernhymne fand der 306. Martiniritt schließlich seinen würdigen Abschluss. Unter den Klängen der Bläserkapelle und dem Applaus der Zuschauer endete die kirchliche Feier im Ortskern der Regentalgemeinde – erfüllt von Stolz, Dankbarkeit und dem Bewusstsein, Teil einer langen, lebendigen Glaubenstradition zu sein.

 

 Martiniritt Miltach 2025  Martiniritt Miltach 2025

 

Ein lebendiges Zeugnis des Glaubens

Der diesjährige Martiniritt zeigte einmal mehr, dass Tradition und Glauben in Miltach Hand in Hand gehen. Er ist nicht nur ein Brauchtumsereignis, sondern Ausdruck einer tiefen christlichen Verwurzelung und eines gemeinschaftlichen Miteinanders, das über Generationen hinweg trägt.

 

Der heilige Martin steht dabei sinnbildlich für das, was in unserer Zeit oft fehlt: Teilen, Zuhören, Mitfühlen und Verantwortung übernehmen. So bleibt der Martiniritt in Miltach nicht nur ein Fest der Pferde und Reiter – sondern ein lebendiges Zeichen für Nächstenliebe, Zusammenhalt und Hoffnung.

 

Martiniritt Miltach 2025    Martiniritt Miltach 2025
Martiniritt Miltach 2025 Martiniritt Miltach 2025

  

Text: Maria Frisch, überarbeitet von Christian Röhrl für die Homepage

Bilder: Christian Röhrl, Miltach

 

 

Fotoserien

Martiniritt 2025 (SO, 09. November 2025)

Am Samstag, den 08. November 2025 fand bei uns in Miltach der Martiniritt im 306. Jahr statt. Hier zahlreiche Impressionen von diesem besonderen Festtag in unserer Regentalgemeinde.

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Veröffentlichung

Sa, 08. November 2025

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