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300 Jahre Martiniritt in Miltach - Pontifikalgottesdienst und Prozession

09.11.2019

300 Jahre Martiniritt in Miltach

Ein großes Kulturgut: Patrozinium mit Martiniritt  

225 Reiter trotzten dem Regen – Pontifikalgottesdienst und eucharistische Prozession

 

Alles war auf das Beste durch Pfarrei und Gemeinde für das Festgeschehen in Miltach, die Feier des Pfarrpatroziniums mit eucharistischer Prozession und Martiniritt, der seit 300 Jahren durchgeführt wird, vorbereitet. Nur das Wetter spielte am Samstag nicht mit, es regnete leicht aber unablässig. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer war Festprediger und zelebrierte mit weiteren 8 Klerikern den Patroziniumsgottesdienst in der St. Martinskirche, die Blaskapelle unter Leitung von Sepp Pielmeier gestaltete mit der „Haydnmesse“ und feierlichen Chorälen diesen beeindruckend mit. 225 Reiter auf  herausgeputzten Pferden ritten zur Ehre des Hl. Martin, der Prozession folgten zu Fuß die Vereine, die Geistlichkeit mit dem Allerheiligsten, Ehrengäste und die übrige Bevölkerung. Bürgermeister Johann Aumeier ehrte Otto Gerstl aus Bad Kötzting für 50-malige und Daniel Nemmer für 25-malige Rittteilnahme. Der Bischof segnete das Bronzerelief, geschaffen von der Miltacher Künstlerin Marion Abate, das Szenen aus dem Miltacher Martiniritt darstellt und nun das Kirchenportal schmückt.

 

Das Kirchenpatrozinium mit Martiniritt und Prozession ist ein kirchliches und auch weltliches Fest. Die in den Farben gelb-weiß festlich geschmückte St. Martinskirche füllte sich am Samstag zum Gottesdienst mit zahlreichen Vereinsmitgliedern, die mit ihren Fahnen zur Blasmusik zum Gotteshaus zogen, und weiteren Pfarrangehörigen, Repräsentanten der Öffentlichkeit und Gästen aus nah und fern. Zu einer Festfanfare schritt die Geistlichkeit mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Ortspfarrer BGR Augustin Sperl, Bad Kötztings Stadtpfarrer und Dekan Herbert Mader, dem früheren Seelsorger in Miltach Johann Six, Pfarrer Kilian Limbrunner aus Chamerau, Pater John aus der Nachbarpfarrei Harrling-Zandt-Altrandsberg, dem aus der Pfarrei Miltach stammenden Pfarrer Jürgen Eckl,  Pfarrer BGR Gotthard Weiß aus dem Bistum Passau und Diakon Martin Peintinger zum Altar. Pfarrer Sperl begrüßte alle Kirchenbesucher, besonders den H.H. Bischof Voderholzer und drückte seine Freude darüber aus, dass er als Oberhirte das heutige Patrozinium mit „300 Jahre Martiniritt“ mitfeiert, einem Brauch, wo seit Jahrhunderten in der Prozession das Allerheiligste mitgetragen wird. Des Ortsgeistlichen Gruß galt auch den Repräsentanten der Öffentlichkeit, darunter Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler, MdL Dr. Gerhard Hopp sowie allen Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden.

 

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„Ein Haus voll Glorie schauet“

Der Bischof drückte aus, dass er sehr gerne der Einladung zu diesem Jubiläum nachkomme. Es sei das erste Mal, dass er hier in der Kirche die Eucharistie feiern, die eucharistische Prozession begleiten und den Segen spenden darf. Auch richtete er seinen Gruß an alle Kirchenbesucher. „Wenige Tage vor dem offiziellen Gedenktag des hl. Martin wird der Brauch hier vollzogen Wir wollen heute auf den schauen, dem auch der hl. Martin nachgefolgt ist und in seinem Leben und-Sterben verherrlicht hat, auf Christus unserem Herrn“. Die Lesung und die Fürbitten trug Gottfried Heigl vor, die Psalmen sang Simon Meier. Diakon Martin Peintinger verkündete das Evangelium nach Matthäus mit der Aussage: Ich sage euch, was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

 

 

Des Hl. Martins Botschaft

„Wir dürfen 2 Tage voraus das Fest des hl. Martin feiern, des großen Bischofs aus dem 4./5.Jahrhundert und einem der beliebtesten Heiligen in der Kirche. Was die Legende berichtet spielt nicht aus der Zeit als Martin schon Bischof war. Das Ereignis spielt in der Phase seines Lebens, wo er nicht einmal getauft war, sondern auf dem Weg war Christ zu werden. Ein Taufbewerber, der gerade dabei ist zu lernen was es heißt ein Christ zu sein, um dann die Taufe zu empfangen. Damals wurden erst Mal die Erwachsenen getauft, die dann ihre Kinder im Christsein unterrichteten. Es war eine Zeit der Vorbereitung, ähnlich dem Religionsunterricht. Das Wichtigste war kennen zu lernen, wer Christus eigentlich ist. Erst nach der Taufe nehmen die Katechumenen an der Eucharistie teil. Gott hatte noch großes mit Martin vor, das ist der Hintergrund für die Szene der Darstellung Hl. Martin/Bettler. Martin war vermutlich ein Offizier, kehrt von seinem Dienst zurück und sieht zu Füßen seines Pferdes am Straßenrand einen Bettler. Die Stimme des Gewissens sagte ihm was er tun muss und teilt seinen Mantel. In der Nacht hat Martin einen Traum, ein Gesicht: Es erscheint ihm Jesus Christus und hat das Mantelstück, das Martin verschenkte, umgelegt. Martin wird klar, in diesem Bettler ist er Christus begegnet. Die Stimme des Gewissens begegnet uns in jedem Menschen der unserer Hilfe bzw. eine Form der Zuwendung bedarf. Das war ein wichtiger Schritt auf dem Vorbereitungsweg zur Taufe“, so der Bischof.

 

Der Bischof meinte, der Hl. Martin ist ein Vorbild und Beispiel ein guter Christ zu werden. „ Dank den Miltachern, da sie das Pfarrpatronat hoch halten und in Erinnerung rufen. Aus dieser Szene hat sich der Martiniritt entzündet. Das Pferd ist hineingenommen worden in das Martini-Brauchtum; wir werden viele stolze und geschmückte Pferde sehen, die uns erinnern, dass der hl. Martin auf einem Pferd geritten ist und das wunderbare Zeichen der Nächstenliebe gesetzt hat. Ich danke von Herzen allen, die das Brauchtum fortgeführt haben. In diesem Sinne gibt es auch eine neu gestaltete Erinnerungstafel an der Kirche. Es ist eine Freude zurückblicken zu dürfen auf 300 Jahre Martiniritt. Ein weiteres Jubiläum hat der Trachtenverein, dessen Mitglieder seit 50 Jahren das Allerheiligste begleiten“.

 

Die Blaskapelle spielte unter anderem Lieder der Haydn-Messe und majestätische Choräle. Nach dem Martinslied, begleitet von Christian Hartl an der Orgel, segnete Bischof Voderholzer eine Erinnerungsfahne für 25-malige und ein Erinnerungsband für 50-malige Ritt-Teilnahme.

 

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Historisches Ereignis: 300 Jahre Martiniritt

Die Kirchenglocken läuteten zur anschließenden Prozession. Dem Vorreiter Franz Martin mit dem Kreuz folgten die weiteren 224 Reiter auf herausgeputzten Pferden, die wertvolles Zaumzeug trugen, oftmals auch geschmückt mit Kränzchen aus Papierröserl. Die stolzen Rösser und deren Reiter, meist in Tracht, waren eine Augenweide für die trotz des Regens zahlreich am Straßenrand stehenden Besucher. Den Reitern aus der Gemeinde Miltach folgten die aus den Nachbargemeinden und eine Abordnung aus der Pfingstrittstadt Bad Kötzting mit leitendem Zugordner Sepp Barth. Die schweren Kaltblüter, eleganten Sportpferde und weißmähnigen Haflinger, sowie einige Ponys waren ein prächtiger Anblick. Sehr gut gefielen gleiche Reitergruppen.

 

Betend zogen sie in Richtung Mariahilf-Kapelle. Den Pferden folgten die übrigen Teilnehmer zu Fuß. Hinter der Blaskapelle reihten sich die großen Abordnungen der Vereine ein. Danach schritten die Geistlichkeit mit dem Allerheiligsten unter dem Traghimmel, die Ehrengäste, die MMC und die KDFB-Abordnung und weitere Pfarrangehörige.  Die Fürbitten und Litaneien wechselten auf dem Weg ab, vorgetragen von Alois Pielmeier.

 

Die Fußgänger verweilten vor dem geschmückten Feldaltar bei der Mariahilf-Kapelle, während die Martinireiter in Richtung Tiefental weiter zogen, dort umkehrten und beim Vorbeireiten in Höhe des Feldaltars vor dem Allerheiligsten ehrfurchtsvoll den Hut zogen. Nach dem Johannes-Evangelium und dem eucharistischen Segen nahm die Prozession den weiteren Weg auf der Staatsstraße zurück zur Kirche. Vor dem Portal erteilte Bischof Dr. Voderholzer den Segen mit dem Allerheiligsten und den für die Pferde mit der Martinsreliquien-Monstranz. Das Tedeum drückte das Lob zum kirchlichen Festgeschehen aus.

 

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Dank der Gemeinde

Im Namen der Gemeinde dankte Bürgermeister Johann Aumeier dafür dass alle Beteiligten trotz des Regens aushielten und dankte dem H.H. Bischof, BGR Augustin Sperl und der weiteren Geistlichkeit, dem Gemeindereferenten, den Ehrengästen Landrat Löffler, Dr. Gerhard Hopp, Rektorin Ulrike Nauen, Bürgermeister Ludwig Klement aus Zandt, Bürgermeister Stefan Baumgartner (Chamerau), stellvertretenden Bürgermeister Speckner (Blaibach), der starken Bad Kötztinger Reiter-Abordnung, der Polizei-Dienststelle Bad Kötzting und dem BRK, Miltachs Ehrenbürger Gottfried Heigl,  den Gemeinde- und Kirchenvertretern, den Vereinen und allen Teilnehmern für die Mitfeier und sprach den Martinireitern seine Anerkennung aus. Letztere erhielten anlässlich „300 Jahre Martiniritt in Miltach“ eine Erinnerungs-Medaille. Großer Dank galt der Blaskapelle. Mit der kräftig gesungenen Bayernhymne schloss die Feier vor der Kirche.

 

Ehrung langjährige Martinireiter

Im Verlauf des Pontifikalgottesdienstes hatte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer eine Reiterfahne und ein Erinnerungsband gesegnet, die an langjährige Martinireiter verliehen werden. „Sie reiten seit vielen Jahren bei der Prozession zu Ehren des Kreuzes und des hl. Martin. Gott möge ihre Treue lohnen und sie einst zur Glückseligkeit führen“, so der Bischof.

 

Bürgermeister Johann Aumeier drückte in seiner Ansprache am Samstag zum Abschluss des Jubiläums „300 Jahre Martiniritt“  die Freude darüber aus, dass sich heuer 225 Reiter beteiligten, die damit ihre große Verbundenheit zur Miltacher Tradition zeigen. Der Gemeindechef ehrte vor den versammelten Reitern und Prozessionsteilnehmern Daniel Nemmer aus der Familie des örtlichen Busunternehmens für seine 25-malige Teilnahme als Martinireiter mit der Überreichung einer Reiterfahne. Der Pferdefreund darf diese künftig mitführen.

 

Der Landwirt Otto Gerstl aus Bad Kötzting reitet nicht nur beim Kötztinger Pfingstritt mit, er sitzt auch schon 50 Mal als Martinireiter im Sattel; der Bürgermeister wertschätzte dies und übergab ihm ein Erinnerungsband für seine Reiterfahne. Beide Jubiläumsreiter bedankten sich nach dem verklungenen Applaus der Prozessionsteilnehmer „für die Ehre und Auszeichnung“. Johann Aumeier wünschte, dass die Geehrten auch weiterhin am Martiniritt teilnehmen.

 

Ein weiterer Programmpunkt des festlichen Tages war der Eintrag des Bischofs in das Ehrenbuch der Gemeinde. Die künstlerische Gestaltung der Buchseite stammt von Hans Höcherl mit Text und Portrait. „Schneidige Musik gehört zum Kirta“, damit begann Bürgermeister Aumeier sein Grußwort in der Mehrzweckhalle, die zu diesem Anlass aufwendig dekoriert war. Der Dank des Sprechers galt allen, die zum Gelingen des Festtages beitrugen. Er gratulierte der Miltacherin Marion Abate für die thematisch gut gelungene Umsetzung von Ritt und Prozession in dem vorher von Bischof Voderholzer gesegnetem Relief, das vielleicht Jahrhunderte Miltachs Kirchenaußenwand schmücken wird.

 

Pfarrer Sperl dankte dem hohen Würdenträger aus Regensburg für sein Kommen und Mitfeiern. Als Erinnerung erhielt er einen Originaldruck mit der Grafik vom Ritt. Landrat Löffler war vom Inhalt und Ablauf des Patronatstages begeistert. „Wie die Miltacher mit ihrem Fest umgehen ist anerkennenswert“. Es bedeutet ihnen sehr viel und es soll unbedingt in der jetzigen Form mit seinem christlichen Inhalt bewahrt werden.

 

Zur Feier des weltlichen Kirchweihtages war Familie Laumer in der Mehrzweckhalle gerüstet. Die Kirtastände wurden von den Kindern gerne besucht. Die Junge Union hatte heiße Getränke bereit. Am Nachmittag bewirtete der Trachtenverein mit Kaffee und Kuchen und hatte abends wieder eine Kirchweihmusik im Angebot, bei dem die „6 lustigen 5“ aufspielten.

 

Text: Monika u. Erwin Vogl, Miltach

Bilder: Christain Röhrl, Miltach, sowie Erwin Vogl, Miltach

 

Foto: Martinritt Miltach 2019

Fotoserien zu der Meldung


Martiniritt 2019 - Jubiläumsritt (09.11.2019)

 

300 Jahre Martiniritt in Miltach

 

Am Samstag, den 09. November 2019 fand bei uns der Jubiläumsritt - 300 Jahre Martiniritt in Miltach statt. Hier zahlreiche Impressionen von diesem besonderen Festtag und dem Vorabend in der Regentalgemeinde.

 

In diesem Jahr hat uns auch unser Bischof Dr. Rudolf Voderholzer besucht, mit uns einen Pontifikalgottesdienst gefeiert und die echaristische Prozession begleitet.